Collage der Darsteller in "Cincinnati Kid"

Cincinnati Kid – Film 1965

Inhaltsverzeichnis

Zuschauern aus unserer Zeit wird häufiger Rounders ans Herz gelegt, wenn es darum geht, einen Film mit sehr starkem Pokerbezug auszusuchen. Gute 30 Jahre vorher kam jedoch Cincinnati Kid ins Kino, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Richard Jessup. Auch hier steht nichts als Poker im Zentrum: Hauptdarsteller Steve McQueen will beweisen, dass er der beste Pokerspieler weit und breit ist. Als der Film 1965 veröffentlicht wurde, waren die Meinungen der damaligen Kritiker gespalten. Heute genießt Cincinnati Kid vielleicht nicht den Status von Der Clou und ähnlichen Filmen aus der Ära, aber im Laufe der Zeit wandelte sich die Meinung über den Film dennoch zum Positiven – und wir schauen uns jetzt an, woran das liegt.

Fakten im Schnelldurchlauf

Erscheinungsdatum: 15. Oktober 1965

Laufzeit: 113 Minuten

Originalsprache: Englisch

Regie: Norman Jewison

Drehbuch: Ring Lardner Jr., Terry Southern

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Stars: Steve McQueen, Edward G. Robinson, Ann-Margret Olsson, Tuesday Weld, Karl Malden

IMDb-Bewertung: 7.2/10

7.2/10

Eric Stoner will es wissen

In der Zeit der Großen Depression in den 1930ern will Eric Stoner (Steve McQueen), genannt “The Kid”, zum besten Pokerspieler der Welt aufsteigen. Da kommt ihm gerade recht, dass Lancey “The Man” Howard (Edward G. Robinson) gerade in New Orleans ist – denn der wird weitläufig als der beste Spieler in Five Card Stud angesehen. Erics Freund Shooter (Karl Malden) warnt diesen jedoch vor Lanceys Fähigkeiten, denn schon ganz andere Spieler hätten ihr gesamtes Geld gegen ihn verloren.

– Achtung: Spoiler werden dir jetzt sehr viel der Handlung verraten. Überspringe diesen Abschnitt am besten, wenn du dir die Spannung nicht nehmen willst.

Inzwischen arrangiert Lancey ein Spiel gegen den wohlhabenden William Jefferson Slade (Rip Torn), den er schließlich um 6.000 US-Dollar erleichtert. Erbost versucht Slade, Shooter dazu zu gewinnen, die Karten bei einem Spiel zwischen Eric und Lancey so zu manipulieren, dass Eric gewinnt. So könnte sich Slade and Lancey rächen. Shooter weist zunächst ab, wird dann aber erpresst und muss einlenken – trotz seines Rufes als Mann von unantastbarer Integrität.

Zum nächsten Spielabend erscheinen sechs Spieler, darunter auch Eric und Lancey. Shooter dealt die Karten, während er hin und wieder von Lady Fingers (Joan Blondell) abgelöst wird. In der ersten großen Konfrontation zwischen den beiden Hauptdarstellern steckt Slade Eric 2.000 US-Dollar zusätzlich zu. Nach und nach gehen die ersten Spieler bankrott, “Pig” verlässt zuerst den Raum und die anderen Spieler machen eine Pause.

Immer mehr Spieler verlieren ihr gesamtes Geld, bis nur noch Eric und Lancey übrig sind. Eric wittert jedoch, dass etwas faul ist, als dieser praktisch jede Hand gewinnt – ganz egal, wie unwahrscheinlich dies ist. Er verlangt nach einer Pause und stellt Shooter zur Rede, der schließlich zugibt, die Karten zu manipulieren. Eric verlangt von ihm, die Karten sofort korrekt zu dealen, oder er würde ihn auffliegen lassen – Freundschaft hin oder her.

Auch ohne die Tricksereien während des Matches gewinnt Eric weiterhin, bis es schließlich zu einer Hand kommt, in der Lancey einen Straight Flush zeigt – und ob Eric selbst gegen diese überaus starke Hand etwas unternehmen kann oder nicht, musst du selbst herausfinden, indem du dir Cincinnati Kid gleich anschaust.

Schauspielerinnen und Schauspieler

Regisseur Jewison gelang es, seinerzeit durchaus große Stars – und einen der größten Stars, die Hollywood überhaupt jemals hervorbrachte – für seinen Film zu versammeln.

Steve McQueen hat es leider(?) so an sich, dass er allen anderen Personen auf dem Bildschirm allein mit seiner Präsenz die Show stiehlt. Nicht umsonst trug er zu Lebzeiten – leider verstarb er mit 50 Jahren früh an einer durch Asbest ausgelösten Krankheit – den Spitznamen “King of Cool”. Einen viel cooleren Pokerspieler als McQueen an einem Tisch wirst du in Filmen noch nicht gesehen haben.

Steve McQueen beim Poker-Einsatz tätigen

Das funktioniert aber nur so gut, weil sein Gegenspieler – Edward G. Robinson – ebenfalls das notwendige Charisma ausstrahlt, um McQueen etwas entgegenzusetzen. Das Casting hat bei diesem Film also wunderbar funktioniert. Die anderen Darsteller fallen dagegen etwas ab, aber sie machen ihren Job durchweg gut. Vor allem Tuesday Weld, die praktisch als moralisches Gegengewicht gegen die korrupte Unterwelt der Pokerspieler fungiert, sticht heraus.

Wo wurde Cincinnati Kid gedreht?

New Orleans Skyline bei Sonnenuntergang

Der Großteil des Films wurde direkt in New Orleans gedreht, einige wenige Abschnitte wurden ins Studio verlagert.

Dies betrifft vor allem Szenen in Innenräumen: Diese wurden in den MGM Studios in Culver City, Los Angeles gedreht. Den Friedhof, den du am Anfang bei der Begräbnisszene zu sehen bekommst, gibt es wirklich. Du findest ihn an St. Louis Cemetery No.1, 425 Basin Street. Besuche kannst du dort aber nur abhalten, wenn du dir einen Tourguide vor Ort nimmst.

Eine Pokerszene, auf die wir weiter unten noch einmal eingehen, spielt angeblich in New Orleans – aber in Wirklichkeit hüpft Eric dort aus einem Fenster, das ihn über einige Bahngleise der Redondo Junction in Los Angeles führt. Heute kannst du diese Örtlichkeiten noch immer besuchen, sie befinden sich etwas nördlich vom East Washington Boulevard.

Alle anderen Außenszenen entstanden direkt in New Orleans. Als Melba und Christian zusammen Badesachen in einem Schaufenster betrachten, siehst du im Hintergrund ein Restaurant. Dieses Gumbo Shop Restaurant findest du an 630 St. Peter Street, und du kannst dort auch heute noch Essen gehen.

Außenansicht des Gumbo Shop Restaurants in New Orleans

Die markante Szene, in der Eric durch den Regen läuft und aufgeregt auf das große Spiel gegen Lancey wartet, wurde am Jackson Square gedreht. Im Hintergrund siehst du die St. Louis Cathedral, bis heute ein Touristenmagnet der Stadt. 

Der Jackson Square in New Orleans bei Sonnenuntergang mit der St. Louis Cathedral im Hintergrund

Das letzte große Pokermatch im Film findet schließlich im LaFayette Hotel statt, wo du heute noch immer an 600 St. Charles Avenue einkehren kannst. Gefilmt wurde aber nur der Eingang, die Szenen im Inneren finden wurden in den eingangs erwähnten MGM Studios gedreht.

Außenansicht des La Fayette Hotels in New Orleans

Wahr oder nicht?

Cincinnati Kid basiert auf dem gleichnamigen Roman, den Richard Jessup im Jahr 1963 veröffentlicht hat. Der wiederum war inspiriert vom Film “Haie der Großstadt”, der 1961 in die Kinos kam. Nichts in diesen Büchern oder Filmen basierte jedoch auf wahren Begebenheiten, es handelt sich um reine Fiktion. Jessup hat damals zahlreiche der typischen Geschichten dieser Zeit geschrieben: Über junge, coole Männer, die ihren Rang in der Welt suchen und am Ende oft auf selbstzerstörerische Weise daran scheitern. Im englischen Sprachraum werden diese Geschichten übrigens Pulp Fiction genannt, was auch der Grund war, warum Tarantino seinen überaus bekannten Film von 1995 so nannte.

Erfolg an den Kassen

IMDb listet den Ertrag an den Kinokassen in den USA und Kanada mit 15,2 Millionen US-Dollar. Wikipedia hingegen beruft sich auf andere Quellen und listet 7 Millionen US-Dollar. Die exakte Aufschlüsselung von Einspielergebnissen war vor etwa 60 Jahren längst nicht so verbreitet wie heute, weshalb es schwerfällt, verlässliche Daten zu bekommen. Ein Einspielergebnis um 10 Millionen US-Dollar – was damals viel mehr Geld war als heute – scheint jedoch realistisch.

Die Produktionskosten sind nicht bekannt. Ein Großteil des Filmes besteht jedoch aus Dialogen und vergleichsweise einfachen, günstigen Szenen. Wir sind daher ziemlich sicher, dass Cincinnati Kid seine Kosten an den Kinokassen bereits wieder eingespielt hat – und wenn wir VHS, DVD, Blu-ray und Streaming hinzurechnen, war der Film garantiert ein Erfolg.

Cincinnati Kid: Toller Film über Aufstieg und Niedergang

Runde von rauchenden Männern in Arbeiterkleidung beim Pokern

Die meisten Pokerfilme stellen das Spiel als etwas überaus Glamouröses dar. Gespielt wird in teuren Casinos, die Herren tragen Anzüge und teure Uhren, die Damen Kleider und Perlenketten. Das Geld fließt gleich millionenweise über die Tische und echte Verlierer gibt es nicht.

Aus diesem Grund ist es sehr angenehm, Cincinnati Kid anzuschauen – denn der Film zeigt, dass es auch anders gehen kann. Das Drama lebt von der ständig im Hintergrund brodelnden Spannung. Eric verfällt hier nicht unbedingt einer Spielsucht, sondern eher dem Drang danach, der Welt zu beweisen, dass er der Größte ist. Dieser Größenwahn hat am Ende schwere Folgen und der Film schreckt – anders als viele andere Glücksspielfilme, die in ein Happy End münden – nicht davor zurück, das auch zu zeigen.

Steve McQueen beim Kennenlernen und Handeschütteln weiterer Pokerspieler

McQueen und Robinson machen ihren Job fantastisch und auch den Filmeditoren gebührt ein Lob. An Spannung ist die letzte Pokerszene in Cincinnati Kid kaum zu überbieten, was auch am hervorragenden Schnitt und dem Soundtrack liegt. Heitere Momente zeigt der Film gelegentlich durchaus, aber meist werden wir eher mit den Schattenseiten des Lebens in den 1930ern konfrontiert. Im Zuge der Großen Depression geht es den meisten Menschen wirtschaftlich schlecht. In der Tat begegnen wir daher auch häufig gebrochenen Menschen, die versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Kleine Gangster, Schuhputzerjungs, heruntergekommene Wohnungen: Das steht alles im Kontrast mit der Welt am Spieltisch, wo das Geld nur so sprudelt, aber man fragt sich, wie viel davon ehrlich erworben wurde.

IMDb belohnt diesen Film mit einer Wertung von 7,2 von 10 Punkten, was auf der notorisch strengen Plattform ein überaus gutes Ergebnis ist. Als Cincinnati Kid in die Kinos kam, waren die Kritiker weniger begeistert, da starke Ähnlichkeiten zum vier Jahre älteren “Haie der Großstadt” bemängelt wurden. Im Nachhinein, entkoppelt vom direkten Vergleich mit einem anderen Film, hat sich die Meinung jedoch geändert – unserer Meinung nach zu Recht. Hast du mit älteren Filmen kein Problem, solltest du Cincinnati Kid auf jeden Fall anschauen.

Wie viel Glücksspiel steckt in Cincinnati Kid

Steve McQueen und Edward G. Robinson beim Pokern umringt von Zuschauern

Der Film beginnt sofort mit einer Pokerszene, in der Eric einigen kleinen Gaunern Geld abnimmt. Die wehren sich daraufhin, Eric entkommt – und damit ist das perfekte Setting für den Film schon geschaffen. Auf diese recht kurze Pokerszene folgen zahlreiche weitere im Verlauf des Films, das letzte Drittel wird mehr oder weniger nur noch an Pokertischen verbracht. Für Pokerliebhaber ist Cincinnati Kid damit unserer Meinung eigentlich ein Muss. Sein Alter merkst du dem Film zwar deutlich an, an der Qualität der Geschichte ändert dies jedoch nichts.

Gespielt wird meist Five Card Stud, die damals populäre Variante. No Limit Hold’Em wurde erst wesentlich später beliebt und schließlich, im Anschluss an den Pokerboom der frühen 2000er, die dominierende Pokerversion. Die Grundregeln sind jedoch ähnlich und die Reihenfolge – Straight, Flush, Full House & Co. – dürften dir bekannt sein, wenn du Poker magst. Die Hände sind durchaus realistisch, der Film nimmt sich Zeit, alles zu zeigen. Mal steht weniger Geld auf dem Spiel, mal deutlich mehr. Mit anderen Worten: Viel besser wurde Pokeraction selten in großen Hollywoodproduktionen gezeigt. Pflicht für Pokerfans!

Wo kann ich Cincinnati Kid anschauen?

Klassiker wie diesen kannst du natürlich auf DVD oder Blu-ray kaufen, dort ist der Film aber nicht günstig. Bei Amazon kostet er beispielsweise etwa 26 Euro für die Blu-ray und 17 Euro für die DVD. Das mag viel sein, andererseits kannst du diesen Film gut häufiger schauen, was die Kosten dann wieder etwas relativiert.

Wenn du dir unsicher bist, empfehlen wir stattdessen zunächst einen Stream. In Deutschland ist die Auswahl etwas begrenzt, denn nur Apple TV, Microsoft und CHILI führen Cincinnati Kid im Angebot. Die Preise schwanken zwischen 3,99 Euro für SD- und 9,99 Euro für HD-Streams. Manche Anbieter zeigen den Film nur in Deutsch, andere auch in der Originalsprache Englisch – und Untertitel gibt es auch nicht überall. Du solltest also etwas genauer hinschauen, bevor du dich für einen Anbieter entscheidest und die falsche Entscheidung triffst.

Fazit: Eine Ausnahme unter den Pokerfilmen

Cincinnati Kid ist ein sehr guter Film aus dem Glücksspiel- und Pokermilieu geworden. Am besten gefällt daran, dass er am Ende zeigt, dass du im Poker eben nicht immer gewinnst – ganz egal, wie gut du bist. Der Glücksfaktor im Spiel kann auch bei noch so guten Fähigkeiten nicht ausgeblendet werden, und Eric bekommt dies schließlich deutlich zu spüren. So ist Cincinnati Kid dann auch ein sehr moralischer Film, der die Gefahren (aber auch die positiven Seiten) des exzessiven Glücksspiels aufzeigt. Damit es nicht zu bedrückend wird, lockern humorvolle Szenen den Film auf. Eine düstere Grundstimmung, die in Filmen dieser Zeit oft zum guten Ton gehörte, wirst du allerdings aushalten müssen, wenn du dir den Film anschaust. Als Belohnung wartet einer der besten Pokerfilme der letzten 60 Jahre auf dich.

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