Titelbild zum Film "The Card Counter"

The Card Counter: Die Vergangenheit lebt weiter

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Veröffentlicht am
27. Aug 2022
von David

An der Oberfläche – und auch ausgehend vom Filmtitel – geht es in The Card Counter um das Kartenzählen im Black Jack. Unter jener Oberfläche wartet jedoch ein ganz anderes Geheimnis, um das es in diesem Film geht. Geschrieben wurde das Drehbuch von Paul Schrader, dessen bis heute vielleicht bekanntester Film Taxi Driver sein dürfte. The Card Counter hat einen großen Schuss der selbstzerstörerischen Message von Taxi Driver mitbekommen, Schrader bleibt also in den Gefilden, die er in- und auswendig kennt. Das bringt den Film qualitativ auf ein hohes Niveau, aber verlangt von Dir beim Anschauen auch Einiges ab. Ein Film für einen geselligen Abend ist The Card Counter jedenfalls nicht, aber mutige Zuschauerinnen und Zuschauer werden belohnt.

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Fakten im Schnelldurchlauf

Erscheinungsdatum: 10. September 2021 (3. März 2022 in Deutschland)

Laufzeit: 112 Minuten

Originalsprache: Englisch

Regie: Paul Schrader

Drehbuch: Paul Schrader

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Stars: Oscar Isaac, Willem Dafoe, Tiffany Haddish, Tye Sheridan

IMDb-Bewertung: 6.3/10

6.3/10

Die düstere Vergangenheit des Kartenzählers

Video-Vorschaubild zum Film The Card Counter

Während seiner achteinhalb Jahre im Gefängnis lernt William Tell (Oscar Isaac), wie man beim Black Jack Karten zählt und somit langfristig gegen den Dealer gewinnen kann. Die Zeit, die er dort verbrachte, wurde ihm vom US-Militär aufgebrummt aufgrund der Verbrechen, die er zur Zeit des Irakkrieges in Abu Ghraib an Gefangenen verübt hatte. Inzwischen hält er sich mit einem Casinolifestyle über Wasser, lebt in Motels und achtet darauf, nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen.

– Achtung: Zahlreiche Spoiler nehmen den allergrößten Teil der Handlung ab jetzt vorweg. Überspringe diese Sektion komplett, wenn Du Dir die Spannung nicht verderben möchtest.

Während seiner “Arbeit” lernt er La Linda (Tiffany Haddish) kennen, die ihn dazu überreden möchte, um höhere Einsätze zu spielen. Zuerst winkt William ab, da die Aufmerksamkeit ihm nicht gefällt. Kurze Zeit später lernt er in Atlantic City jedoch Cirk (Tye Sheridan) kennen. Dieser erkennt William wieder als eine der Personen, die für die Folter von Gefangenen hinter Gitter gebracht wurde – genauso wie Circs eigener Vater. Dieser hat sich inzwischen umgebracht, was Cirk dazu verleitet, Rachegelüste gegen den ehemaligen Vorgesetzten seines Vaters, John Gordo (Willem Dafoe), zu hegen.

Kurzerhand erzählt Circ William von seinem Plan: Er will Gordo finden, foltern und töten. Da William um die seelischen Abgründe weiß, die sich nach einer solchen Entscheidung offenbaren, ändert er seine Vorgehensweise: Er kontaktiert La Linda und gibt an, nun doch um mehr Geld spielen zu wollen. Dies würde La Linda ihm geben und mit dem gewonnenen Geld würde William Circ ein sauberes, schuldenfreies Leben ermöglichen – einen glatten Neustart.

Als Circ trotzdem seine Pläne fortsetzen möchte, Gordo zu ermorden, verliert William die Geduld: Unter Androhung von Folter bewegt er Cirk dazu, 150.000 US-Dollar zu nehmen, seine Mutter aufzusuchen, sich mit ihr wieder zu vertragen und ein neues Leben zu beginnen. Circ willigt ein. Kurze Zeit später, als William gerade am Final Table eines großen Pokerturniers sitzt, erhält dieser ein Foto von Circ, das den Hauseingang von Gordos Anwesen zeigt. Wenige Minuten später erfährt er in den Nachrichten davon, dass Gordo Circ erschossen hat.

William unterbricht das Turnier, fährt sofort zu Gordos Haus und zwingt diesen dort dazu, die Geschehnisse von damals in Abu Ghraib noch einmal wieder aufleben zu lassen – direkt vor Ort mit den mitgebrachten Folterinstrumenten. Was nun am Ende genau geschieht, erfährst Du, wenn Du The Card Counter selbst anschaust.

Schauspielerinnen und Schauspieler

Die wichtigen Charaktere in The Card Counter lassen sich an einer Hand abzählen:

Für den Film zwar von großer Bedeutung, aber letztendlich selten zu sehen, ist von den genannten Personen nur Willem Dafoe. Der ist zwar eigentlich ein fantastischer Schauspieler, aber auf mehr als vielleicht fünf Minuten Zeit auf der Leinwand bringt er es nicht. Das muss auch nicht sein, da seine Präsenz aufgrund seiner vergangenen Taten ohnehin permanent im Hintergrund bedrohlich vor sich hin brodelt. Es wäre aber nett gewesen, einen Schauspieler dieser Klasse in mehr Szenen zu sehen.

Getragen wird der Film aber ohnehin von Oscar Isaac und seiner unglaublichen Performance im Film. Vor allem eine Szene wird Dir wahrscheinlich im Gedächtnis bleiben: Als er Cirk von seiner düsteren Vergangenheit erzählt und auf einmal Emotionen aus der kalten Hülle von William herausbrechen, ist das einfach extrem gut gemacht von Isaac. Nur Tiffany Haddish fällt etwas ab: Bisweilen wirken ihre Schauspielkünste etwas hölzern.

Wo wurde The Card Counter gedreht?

Man sollte meinen, dass ein Film dieser Art zumindest teilweise mit Las Vegas in Kontakt kommt – aber das passiert nie. Stattdessen wurde der Großteil des Dramas in Mississippi und dort in der Stadt Biloxi gedreht. Die Location ist recht beliebt bei Filmmachern, da sich dort alles finden lässt, was Filme brauchen: Strände, Innenstädte, Casinos, weitläufige Landschaften vor der Haustür.

Das große Pokerturnier, das im letzten Drittel des Films präsentiert wird, findet im Coast Coliseum statt. Das Casino wurde etwas umgebaut, um den Ansprüchen der Filmmacher gerecht zu werden. Ungefähr 500 Statisten mussten mitmachen, um den Szenen Leben einzuhauchen. 

Weitere Casinoszenen wurden beispielsweise im IP Casino Resort Spa gedreht, das Du an 850 Bayview Avenue findest. Ein weiteres Casino – im Film springen wir zwischen vielen verschiedenen hin und her – ist das Scarlet Pearl Casino. Das steht jedoch nicht in Biloxi, sondern in D’Iberville (ebenfalls in Mississippi zu finden).

Das Gefängnis, in dem William sich zu Beginn aufhält und das im Film immer mal wieder zu sehen ist, wurde natürlich nicht als Set gebaut. Es handelt sich wirklich um die United States Disciplinary Barracks, die Du in Fort Leavenworth in Kansas sehen kannst. 

Zu bedenken ist, dass nur die Außenszenen das Gefängnis wie in der Realität zeigen. Alle Innenszenen wurden an anderen Orten und im Studio gedreht, da eine Dreherlaubnis für ein Militärgefängnis natürlich nicht eingeholt werden konnte.

Ganz zu Beginn betritt William zum ersten Mal sein Motelzimmer. Dabei handelt es sich um das Motel 6 in Gulfport an der Bundesstraße 49. Du kannst dort tatsächlich auch übernachten. Ein weiteres Motelzimmer, in dem William und Cirk einige Minuten äußerst angespannt verbringen, ist das Bayfront Inn an 1888 Beach Boulevard – diesmal wieder direkt in Biloxi.

Eine der visuell beeindruckenden Szenen des Films ist der Moment, in dem William und Linda durch einen bei Nacht beleuchteten Garten gehen. Diese Gartenanlage existiert tatsächlich so, es handelt sich um den Missouri Botanical Garden am 4344 Shaw Boulevard.

Wie viel in The Card Counter ist wahr?

Zwar ist die erzählte Geschichte in The Card Counter komplett frei erfunden, aber dass Gefangene zu Zeiten des Irakkrieges um 2003 und 2004 herum gefoltert werden, entspricht nun einmal der Tatsache. Bilder und Nachrichten gingen damals um die Welt und nicht wenige Nationen waren bestürzt darüber, dass ein Land wie die USA sich praktisch auf dasselbe Niveau begibt wie die Länder, gegen die sie vorgehen. Insofern ist zwar die konkrete Handlung reine Fiktion, aber sie basiert sehr wohl auf realen Ereignissen, die sich über einen langen Zeitraum erstreckt haben.

Erfolg an den Kinokassen

Ein großer Kinoerfolg war The Card Counter nicht, zu mehr als 5 Millionen US-Dollar Einspielergebnis hat es nicht gereicht. Dies war angesichts der Thematik aber auch nicht zu erwarten. Die Produktionskosten sind nicht bekannt, aber es ist durchaus möglich, dass der Film seine Kosten mit den 5 Millionen US-Dollar an den Kassen bereits wieder eingespielt hat. Es gibt keine großen Sets, keine teuren Effekte oder luxuriöse Locations. Isaac wird wahrscheinlich ein stattliches Gehalt bekommen haben, aber dennoch kann der Film nicht viel mehr gekostet haben als sein Einspielergebnis.

Ist The Card Counter sein Geld wert?

Bei IMDb bringt es The Card Counter auf 6,3 von 10 Punkten. Der Film wurde für zahlreiche Auszeichnungen nominiert (unter anderem für das Beste Drehbuch) und hat es 2021 in viele Bestenlisten angesehener Webseiten und Magazine geschafft, wie The New Yorker oder The AV Club.

Das bedeutet aber nicht, dass The Card Counter automatisch ein Film für jedermann ist. Durch den gesamten Film zieht sich eine äußerst triste, bedrückende Atmosphäre, die sicherlich nicht für alle Zuschauerinnen und Zuschauer zu ertragen ist. Die zugrundeliegende Thematik der Folter an wehrlosen Gefangenen hilft garantiert nicht weiter. Im Nachhinein müssten wir uns bemühen, an eine Szene zu denken, an der die bedrohliche Stimmung auch nur ein einziges Mal durch etwas Humor aufgelockert wurde.

Ein Grund für die genannte trübe Stimmung ist Oscar Isaacs Darstellung von William Tell. Mit dem, was er damals im Gefängnis von Abu Ghraib angestellt hat, kommt er ganz offensichtlich überhaupt nicht zurecht. Du wirst Mühe haben, innerhalb der ersten halben Stunde überhaupt eine Regung auf seinem Gesicht zu erkennen. Emotionen – egal ob positiv oder negativ – scheinen ihn vollständig verlassen zu haben und seine Glücksspielaktivität scheint nur dazu zu dienen, seine Sinne für eine Weile zu betäuben.

Die gesamten fast zwei Stunden schauen wir daher einem Mann zu, der dermaßen psychisch ruiniert ist, dass es ein Wunder ist, dass er überhaupt noch in der Gesellschaft leben kann. Umso eindringlicher ist es dann, wenn William doch einmal aus der Haut fährt oder seine in Abu Ghraib gelernten Techniken anwendet. Nachts hat er Albträume, tagsüber verbringt er seine Zeit scheinbar verloren an Black Jack- und Pokertischen.

Die Figur von La Linda funktioniert in diesem Zusammenhang gut, um William immer wieder fast aus seiner Hölle herauszuziehen – aber es gelingt ihr am Ende eben doch nicht. Eigentlich ist das normale Leben nur wenige Zentimeter von William entfernt: Um ihn herum spielen die Menschen, haben Spaß, sind unbeschwert. Und trotz dieser Nähe schafft er es nie, auch nur ansatzweise in dieses Leben zurückzufinden.

Das kann mitunter merklich auf die Stimmung drücken. Ein derart düsterer Film kann nicht allen Kinofans gefallen. Inhaltlich geben wir übrigens nur halbwegs Entwarnung: Die Folterszenen sind selten und meist entweder nur angedeutet oder wir hören nur, was vor sich geht – aber das reicht in vielen Fällen bereits aus, um etwas empfindlicheren Naturen wahrscheinlich schon zu viel zu sein.

Wie viel Glücksspiel steckt in The Card Counter?

Der Fokus liegt anfangs auf Black Jack, später auf Poker. Teilweise wird alles akkurat erklärt und einige der gespielten Hände ergeben durchaus Sinn und sind so stark gespielt, wie man es von einem guten Pokerspieler wie William Tell erwarten würde. Allerdings darf nie vergessen werden, dass das Spielen in diesem Film eher eine Art kurzfristige Therapie für William ist. Poker & Co. gewinnen niemals die Überhand über den eigentlichen Kern der Story. Typische Glücksspielerfilme gibt es daher also bessere, aber The Card Counter bekommt Punkte für Realismus.

Wo kann ich The Card Counter anschauen?

Da es sich um einen aktuell brandneuen Film handelt, ist The Card Counter beim Kauf nicht günstig. 14,99 Euro bezahlst Du für die DVD, während die Blu-ray 16,99 Euro kostet. Ob noch eine 4K-Version folgen wird, ist nicht bekannt (die gibt es momentan nur via Streaming).

Streamen kannst Du den Film unter anderem bei Amazon, Microsoft, MagentaTV oder im Sky Store. Außerdem stellen den Film noch freenet Video, VIDEOBUSTER, maxdome, Kino on Demand, Cineplex Home und videociety zur Verfügung. Rakuten TV komplettiert das Sortiment. Die Kosten sind momentan noch hoch: Willst Du Dir The Card Counter leihen oder kaufen, musst Du zwischen 9,99 Euro und 16,99 Euro bezahlen.

Die meisten Anbieter führen den Film sowohl in deutscher als auch englischer Sprache und teilweise auch mit Untertiteln. Geschnitten ist der ab 16 Jahren freigegebene Film nirgendwo, die volle Laufzeit von 112 Minuten wird überall erreicht.

Fazit: Ein typischer Schrader-Film

Paul Schrader war nie dafür bekannt, besonders optimistische Filme zu schreiben. Auf seine alten Tage verändert er sich natürlich nicht und zeigt in The Card Counter erneut einen (im wahrsten Sinne des Wortes) gefolterten Mann, der in einer Art Fegefeuer wartet und zwischen der dunklen Seite seines Geistes und der Erlösung in Form eines normalen Lebens, das greifbar nah ist, hin und her pendelt. Das Resultat ist ein eindringlicher Film, der nicht jedem gefallen kann, aber für alle anderen dafür ein umso intensiveres Erlebnis verspricht.

Sean Pavone/shutterstock.com
Bildnummer 1256781640

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