Die GambleBase-Community hat in einer Umfrage abgestimmt, welche Regulierungsauflagen des deutschen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV) Spieler am meisten stören. Über 225 Teilnehmer nahmen teil und konnten je drei Stimmen abgeben. Die Resonanz macht deutlich, welche Vorschriften von Spielern als besonders lästig oder abschreckend empfunden werden – und welche viele sogar vom legalen Angebot fernhalten.
GambleBase selbst ist die am schnellsten wachsende Casino-Community im deutschsprachigen Raum (über 1.000 Mitglieder und 10.000 Beiträge innerhalb weniger Wochen). Als Plattform, die sich für legales und faires Glücksspiel in Deutschland einsetzt, hat GambleBase bereits in mehreren Studien auf die Schwachstellen des GlüStV 2021 hingewiesen.
Hintergrund: Ziel und Realität des GlüStV 2021
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) trat am 1. Juli 2021 in Kraft, um einen bundesweit einheitlichen Rechtsrahmen für Online-Glücksspiel zu schaffen.1,2 Ziele sind die Kanalisierung der Spieler vom illegalen Schwarzmarkt hin zu legalen, lizenzierten Angeboten sowie ein verbesserter Jugend- und Spielerschutz.1 Experten betonen, dass eine hohe Kanalisierungsquote nur dann erreichbar ist, wenn der legale Markt für Spieler attraktiv und konkurrenzfähig gestaltet wird – sonst weichen sie erfahrungsgemäß ins illegale Angebot aus.1,2
Umfrageergebnisse: Welche Regeln stören die Spieler am meisten?
In der GambleBase-Umfrage (Zeitraum: 16. Juni – 31. Juli 2025) konnten die Teilnehmer aus einer Liste von Regulierungsmerkmalen der lizenzierten Online-Spielhallen diejenigen auswählen, die sie persönlich am meisten stören – sei es, weil sie den Spielspaß mindern, als bevormundend empfunden werden oder sie gar vom legalen Spielen abhalten. Insgesamt haben 225 Nutzer abgestimmt; jeder konnte bis zu drei Stimmen vergeben. Die folgenden Punkte erhielten mit Abstand den meisten Zuspruch:
1.) 5-Sekunden-Regel – 168 Stimmen (≈75 % der Teilnehmer)
Diese Vorschrift schreibt vor, dass jedes Spiel an virtuellen Automatenspielen mindestens 5 Sekunden dauern muss. Praktisch bedeutet das: Nach einem Spin muss der Spieler stets ein paar Sekunden warten, bevor er den nächsten Spin starten kann.
Viele Spieler empfinden die erzwungene Pause als künstliche Bremse des Spielrhythmus und Minderung des Unterhaltungswerts. Zum Vergleich: Bei illegalen Casinos gibt es keine solche Einschränkung – dort kann nach Belieben im eigenen Tempo gespielt werden, was die legalen Angebote für viele Spieler unattraktiv macht.
2.) Fehlende Autostart-Funktion – 69 Stimmen (30,7 %)
Anders als bei illegalen Online-Slots gibt es bei lizenzierten Anbietern keine Autoplay-Funktion. Jeder einzelne Spin muss manuell gestartet werden; ein automatisches Abspielen mehrerer Runden hintereinander ist verboten. Auch diese Regulierung soll exzessives, unkontrolliertes Spielen erschweren – nimmt Spielern aber eine beliebte Komfortfunktion.
3.) Auszahlungsquote (RTP) – 68 Stimmen (30,2 %)
Die Auszahlungsquoten der Spiele fallen im legalen deutschen Markt spürbar niedriger aus als bei vielen illegalen Konkurrenten. Der RTP-Wert gibt an, welcher Anteil der Einsätze langfristig an die Spieler ausgeschüttet wird. Illegale Anbieter können – da sie diverse Auflagen und Abgaben umgehen – oft RTP-Werte von z.B. 96 %+ anbieten, während legale Online-Spielhallen teils deutlich darunter liegen (häufig im Bereich 88–90 %). Legal spielende Kunden werden also gewissermaßen mit einer um mehrere Prozentpunkte schlechteren Gewinnquote bestraft. Dies hat systemische Gründe: Der Gesetzgeber erhebt auf jeden Spieleinsatz eine Steuer von 5,3 %, die die lizenzierten Betreiber an den Staat abführen müssen. Um dennoch wirtschaftlich arbeiten zu können, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als diese Belastung an die Spieler weiterzugeben – sprich: die Auszahlungsquote der Slots zu senken.
4.) Spielpause nach 60 Minuten – 59 Stimmen (26,2 %)
Bei lizenzierten Anbietern erscheint nach spätestens 60 Minuten ununterbrochener Spielzeit eine Meldung, und es wird automatisch eine 5-minütige Spielunterbrechung eingelegt. Diese Zwangspause – als Teil des Spielerschutzes – soll Spieler dazu bringen, regelmäßig innezuhalten und ihr Spielverhalten zu reflektieren. In der Praxis empfinden viele Nutzer die starre 60-Minuten-Pause jedoch als störend und willkürlich. Mitten im Spielfluss für fünf Minuten ausgebremst zu werden, schmälert den Unterhaltungswert erheblich.
5.) Einsatzlimit: Maximal 1 € pro Spin – 55 Stimmen (24,4 %)
Eine weitere viel kritisierte Begrenzung ist das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automatenspielen. Kein Spin darf bei legalen Anbietern mehr als 1,00 € kosten – unabhängig vom Spiel oder vom Spieler. Dieses pauschale Limit wird von vielen als zu starr und bevormundend wahrgenommen. Spieler argumentieren, dass die individuellen finanziellen Verhältnisse unberücksichtigt bleiben: Ein wohlhabender High Roller unterliegt exakt derselben Einsatzgrenze wie jemand mit geringem Einkommen. Wer legal spielen will, kann somit nicht frei entscheiden, wie viel pro Runde riskiert werden soll – selbst wenn er es sich leisten könnte. High Roller werden demnach förmlich in den Schwarzmarkt gedrängt.
Weitere Kritikpunkte: Neben den oben genannten Top-5 bemängelten die Umfrageteilnehmer noch eine Reihe weiterer GlüStV-Vorgaben – wenn auch mit geringerer Stimmenzahl. 41 Personen (18,2 %) störten sich z. B. am Panik-Button. Dieses Feature, das eine sofortige 24-stündige Spielsperre auslöst, ist zwar an sich eine sinnvolle Schutzmaßnahme – die Kritik aus Spielersicht richtet sich jedoch vor allem gegen die Umsetzung. Viele klagen, der Button sei ungünstig platziert und werde leicht versehentlich angeklickt (mit der Folge, dass man ungewollt einen Tag lang ausgesperrt ist). Hier könnte bereits eine bessere Benutzerführung Abhilfe schaffen, ohne das Schutzziel aufzugeben.
Ebenfalls häufiger genannt wurde die Spielsteuer von 5,3 % auf Einsätze (33 Stimmen, 14,7 %). Dieser Punkt hängt eng mit der oben diskutierten RTP-Problematik zusammen: Die meisten Spieler sehen vor allem die Auswirkungen – nämlich schlechtere Auszahlungsquoten – und weniger die Steuer an sich. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass auch das Steuermodell an sich auf Unverständnis stößt.
Weitere Ärgernisse waren das Fehlen einer Autobuy-/Bonuskauf-Funktion (bei einigen Slots kann man bestimmte Bonus-Features nicht käuflich auslösen; 10 Stimmen, 4,4 %) sowie limitierte Zahlungsmethoden (6 Stimmen, 2,7 %) – insbesondere das Verbot von Kryptowährungen.
Auch die strenge Verifizierungspflicht (KYC-Prozeduren mit Ausweisdokumenten etc.) wurde in Einzelfällen bemängelt (6 Stimmen, 2,7 %), ebenso wie Bedenken bezüglich der Datenübermittlung an OASIS – das bundesweite Sperrdatei-System (9 Stimmen, 4,0 %). Diese Datenschutzbedenken hielten sich in der Umfrage allerdings in Grenzen; die meisten Spieler scheinen den Sinn der Spielersperrdatei anzuerkennen, sofern deren Handhabung diskret bleibt.
Schließlich gab es noch Punkte, die nur sehr wenige Stimmen erhielten: Zum Beispiel fanden nur 1–2 % der Teilnehmer das behördlich festgelegte 1.000 €-Limit für monatliche Einzahlungen (anbieterübergreifend) als größtes Ärgernis (15 Stimmen, 6,7 %). Das Verbot der parallelen Teilnahme an mehreren Spielen (man darf z.B. nicht zwei Slots gleichzeitig öffnen) störte ebenfalls vergleichsweise wenige (23 Stimmen, 10,2 %). Und nahezu niemand (nur 1 Stimme) hat explizit die begrenzte Anzahl lizensierter Online-Spielhallen in Deutschland als Hauptproblem angesehen – offenbar ist den meisten bewusst, dass es mittlerweile doch etliche legale Angebote gibt, auch wenn sie qualitativ nicht immer überzeugen.
Interessant ist, dass auch das vollständige Verbot von Live-Casino-Tischspielen (Roulette, Blackjack etc. sind im GlüStV 2021 – außer in wenigen Ausnahmen – nicht zugelassen) nur 9 Stimmen (4,0 %) erhielt. Diese geringe Quote dürfte aber täuschen: Fans von klassischen Casinospielen haben die legalen Online-Spielhallen vermutlich längst gemieden, da dort außer Automatenspielen nichts dergleichen zu finden ist. Für die breite Masse der Slot-Spieler waren fehlende Tischspiele daher kein Top-Thema – wohl aber für die Kanalisation insgesamt sind sie relevant (viele Liebhaber von Roulette & Co. wandern mangels Angebot direkt ab in ausländische Online-Casinos).
Fazit: Handlungsbedarf für eine ausgewogene Regulierung
Die Ergebnisse dieser Umfrage zeichnen ein klares Bild: Viele eigentlich gut gemeinte Regeln des GlüStV 2021 kommen bei der Spielerschaft nicht an – sie verfehlen ihr Ziel und machen das legale Angebot unattraktiv. Damit droht die Regulierung, am wichtigsten Ziel vorbeizugehen: Anstatt Spieler in ein kontrolliertes, sicheres Umfeld zu lotsen, treiben einige der überzogenen Einschränkungen die Nutzer geradewegs zurück in den Schwarzmarkt.
Die kritisierten Punkte – vom Spieltempo über Einsatz- und Funktionsbegrenzungen bis hin zu den Auszahlungsquoten – zeigen deutlich, wo die Schwachstellen liegen. Natürlich hat der neue Glücksspielstaatsvertrag auch Fortschritte beim Spielerschutz gebracht (z. B. Sperrsystem OASIS, obligatorische Limits etc.), und erste Erfolge der gemeinsamen Glücksspielbehörde GGL sind erkennbar. So ist etwa ein Teil der früher wilden Online-Casino-Werbung inzwischen auf legale Anbieter ausgerichtet, und manche Offshore-Casinos haben sich aus Deutschland zurückgezogen. Dennoch ist der regulierte Markt derzeit nicht ansatzweise wettbewerbsfähig. Die illegalen Angebote bleiben für viele Spieler deutlich attraktiver – mit der Folge, dass der Schwarzmarkt wächst und der lizenzierte Markt Marktanteile und Vertrauen verliert. Darunter leidet nicht nur der Spielerschutz, sondern ironischerweise auch der Staat selbst: Steuereinnahmen aus legalem Online-Glücksspiel brechen weg, wenn die Spieler lieber unversteuert im Ausland zocken.
Spätestens jetzt – gut drei Jahre nach Einführung des GlüStV 2021 – ist es Zeit für eine kritische Bestandsaufnahme. Genau dafür sieht der Staatsvertrag selbst eine Evaluation bis 2026 vor. Diese Überprüfung muss ehrlich ausfallen und die hier aufgezeigten Probleme adressieren.
Vor allem gehört die Besteuerung und RTP-Problematik auf den Prüfstand. Die extrem hohe Einsatzsteuer zwingt legale Anbieter zu niedrigen Auszahlungsquoten und beschert ihnen einen massiven Wettbewerbsnachteil. Hier hat der Bund einen Hebel in der Hand, um verlorene Spieler vom Schwarzmarkt zurückzuholen.
Letztlich muss eine gelungene Regulierung immer die Interessen der Spieler mit berücksichtigen – neben dem berechtigten Anliegen des Spielerschutzes. Die Spieler sind es, die das System mit ihren Einsätzen finanzieren; sie sollten deshalb nicht das Gefühl haben, durch zu rigorose Maßnahmen entmündigt oder bestraft zu werden. Mündige, erwachsene Bürger werden ihr Spielverhalten den eigenen Präferenzen anpassen – notfalls außerhalb des lizenzierten Bereichs. Wenn legales Spielen in Deutschland hauptsächlich mit Bremspedalen, Abgaben und Limitierungen verbunden ist, während illegales Spielen mit höherem Nervenkitzel, besseren Gewinnquoten und weniger Vorschriften lockt, dann verlieren am Ende alle Seiten: Die Spieler, die legalen Anbieter und der Staat. Ziel der kommenden Evaluation und politischen Nachjustierung muss es daher sein, einen ausgewogeneren Ansatz zu finden – ein Regulierungsmodell, das Schutz und Attraktivität in Balance bringt. Nur so lässt sich die Mehrheit der Spieler tatsächlich für das legale Angebot gewinnen. Die Kritik der Spieler – wie in unserer Umfrage deutlich geworden – sollte von den Verantwortlichen als wichtiges Feedback verstanden werden. Es gilt, aus den bisherigen Fehlentwicklungen zu lernen: Spielerschutz darf nicht in Spielervertreibung umschlagen. Eine Regulierung „mit Augenmaß“, die riskantes Spiel einschränkt, ohne das gesamte Spielerlebnis zu ersticken, wäre im Interesse aller Beteiligten – und würde das eigentliche Ziel des GlüStV 2021, nämlich einen sicheren, fairen und attraktiven legalen Glücksspielmarkt zu etablieren, endlich erreichbar machen.
Quellenangaben:
1. Wirtschaftsdienst – „Glücksspielstaatsvertrag: Ein Schritt in die richtige Richtung?“
https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2021/heft/7/beitrag/gluecksspielstaatsvertrag-ein-schritt-in-die-richtige-richtung.html
2. Tagesspiegel – „Zwei Jahre Glücksspielstaatsvertrag: Das große Ziel wird klar verfehlt“
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zwei-jahre-glucksspielstaatsvertrag-das-grosse-ziel-wird-klar-verfehlt-10002070.html
















Hab den Artikel tatsächlich jetzt erst gelesen. Gute Arbeit von dir, weiter so!